Deutsche Gesellschaft für Baby- und Kindermassage e.V.
"Berührung mit Respekt"
Erfahrungsberichte
Babymassage mit einem adoptierten Baby
Erfahrungsbericht einer Mutter, die von der DGBM-Kursleiterin Monika Westerlage
mit der Babymassage begleitet wurde. Eine frische Windel, zur richtigen Zeit,
die Flasche und viel Liebe ist am Anfang das Wichtigste für ein drei Monate altes Baby. Innerhalb einer Woche war ich Mutter geworden und hielt unsere Adoptivtochter auf dem Arm. Wie für jede Mutter, war es auch für mich ein glücklicher Moment. Doch mir war klar, es wird auch eine schwierige Zeit vor uns liegen. Unsere Tochter musste sich erst einmal an uns gewöhnen. Die neue Umgebung, andere Gerüche, Stimmen und die neuen Gesichter alles war ja fremd für sie. Es erschien uns jetzt das wichtigste, ihr ein Gefühl von Sicherheit zu geben, ihr zu sagen hier ist dein neues Zuhause, hier ist dein Bett und ihr zu zeigen, wir sind für dich da. Nach einiger Zeit lernte ich Monika Westerlage kennen und sie erzählte mir über ihre Erfahrungen mit Babymassage. Am Anfang dachte ich unserer Tochter wird die Massage nicht gefallen, denn mir war aufgefallen, dass sie bei Berührung auf der Haut eher negativ reagierte. Wie sollte sie auch, sie kannte es ja nicht. Mit Monika zusammen begannen wir zuerst mit der Bein- und Fußmassage. Sie erklärte mir wie wichtig es sei das Kind um Erlaubnis zu fragen, eine angenehme Umgebung zu schaffen und selbst auch entspannt zu sein, bevor man mit der Massage beginnt. Der Wickeltisch war unserer Tochter vertraut und ich begann abends vor dem Wickeln mit kurzen Übungen für die Bein- und Fußmassage. Je öfter ich dieses Ritual wiederholte, desto aufmerksamer, interessierter und später auch entspannter wurde unsere Tochter. Auch ich konnte die kurzen Momente dieser Vertrautheit genießen. Heute massiere ich sie auf einer Matratze im Kinderzimmer, entspanne mich mit 1-2 Qi Gong Übungen und summe während der Massage ein Lied. Bei der Bauch- und Brustmassage dauerte es eine Weile bis unsere Tochter sie zuließ, die Rückenmassage fand sie von Anfang an toll. Für mich eine gute Möglichkeit auch während des Tages beim Schmusen
zu massieren. Die Armmassage mag sie dagegen gar nicht und den Kopf lässt sie sich gelegentlich massieren. Ich bin sicher, dass wir uns so mit jeder Massage ein Stück näher kommen und ich ihr ein Gefühl von Wärme, Nähe, Geborgenheit und Sicherheit geben kann. Zeit die wir beide genießen. Vier Monate sind seitdem vergangen. Das Windeln wechseln und die Flasche wird sie irgendwann nicht mehr brauchen aber mit der vertrauten Massage kann ich ihr immer Liebe; ein Gefühl geben: Ich bin für Dich da!!!!
Erfahrungsbericht von Michaela Adams
In meinem Freundeskreis erkrankte ein Vater von zwei Kindern an Prostatakrebs.
Nach einer erfolgreichen Therapie wurde der Vater zunächst als gesund entlassen.
Trotzdem war die ganze Familie sehr verzweifelt. Die Beziehung innerhalb der Familie hatte unter den Umständen deutlich gelitten. In einem Gespräch mit der Mutter erfuhr ich, dass sie keinen richtigen Zugang zu ihrem zehnjährigen Sohn bekommen konnte. Er war sehr in sich gekehrt, konnte nicht über die Krankheit seines Vaters sprechen. In der Schule war ein Leistungsabfall zu sehen und er zog sich immer mehr zurück. Daraufhin machte ich ihr den Vorschlag, ihrem Sohn eine abendliche Massage mit Öl und Musik anzubieten. Ihr Sohn reagierte zunächst etwas irritiert, entschied sich aber nach einigem Zögern das Angebot anzunehmen. Nach den ersten Massageeinheiten wurde ihr Sohn deutlich entspannter und offener und suchte schließlich das Gespräch. Darin wurden seine Ängste deutlich und konnten besprochen werden. Durch die abendliche Massage verbesserte sich das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn erheblich. Der Sohn ist wieder viel offener geworden, hat wieder Spaß mit seinen Freunden; seine Ängste konnten ihm zum Teil genommen werden, er hat durch die Massage eine Möglichkeit gefunden um sich mitteilen zu können und die Beziehung innerhalb der Familie wurde positiv gestärkt. Dieses Beispiel hat mir gezeigt, dass die Massage unabhängig vom Alter des Kindes eine schöne Möglichkeit zur Bindungsaufnahme zwischen zwei Menschen ist.
Babymassage – die Kraft der liebevollen Berühung Von Simone Edinger
Susanne Schönfelder macht sich mit ihrer 10 Wochen alten Tochter Lea auf den Weg zum Babymassagekurs. Dort trifft sie auf vier weitere frischgebackene Mütter, manchmal auch den ein oder anderen Vater. Die Gruppe sitzt in gemütlicher Atmosphäre am Boden beisammen und stimmt sich mit der Kursleiterin bei einer Entspannungs- oder Bewegungsübung auf die sanfte Massage der Babys ein. Die Kleinen im Alter von sechs Wochen bis neun Monaten kennen bereits das Ritual der Einstimmung und blicken erwartungsvoll ihre Mütter an. Spätestens beim Verreiben des Mandelöls in ihren Händen hat jede Mutter, jeder Vater die ungeteilte Aufmerksamkeit des Kindes. Heute steht Bauchmassage auf dem Programm. Die Kursleiterin demonstriert die neue Grifffolge an ihrer Massagepuppe, die Mütter sind dadurch schnell vertraut mit Griffen wie „Wasserrad“ oder „Sonnenmond“. Angewandt werden Elemente aus der klassischen indischen Babymassage, die durch den Arzt und Geburtshelfer Frédéric Leboyer in den 80er Jahren wieder zurück nach Europa gebracht wurden. Diese eher beruhigenden Streichungen werden durch anregende Griffe aus der schwedischen Massage ergänzt. Elemente aus der Reflexologie sowie aus dem Yoga runden das Programm ab. Durch das Erlernen der sogenannten „Kolikmassage“ erhoffen sich die Mütter Erleichterung für ihre Babys. In den ersten Lebenswochen leiden manche Säuglinge - und dadurch auch ihre Eltern - unter krampfartigen Bauchschmerzen, die oft mit Unruhe, vermehrtem Weinen und Schreien einhergehen. Eine erfahrene Mutter, die bereits mit ihrem zweiten Kind den Kurs belegt, bestätigt die wohltuende Wirkung der Kolikmassage: „Ich hatte endlich etwas an der Hand, das meinem Sohn half. Durch die Gespräche und Hinweise während des Kurses lernte ich zudem noch besser die Bedürfnisse meines Kindes kennen. Ich konnte mit Phasen des längeren Weines und Schreiens entspannter und gelassener umgehen und mich von meinem mütterlichen Instinkt sicher leiten lassen.“ Die Haut des Babys ist gerade in der ersten Lebensspanne ein sehr wichtiges, wenn nicht das wichtigste Sinnesorgan überhaupt. Über keinen anderen Weg kann das Baby Zuwendung und Zärtlichkeit stärker empfinden. Dieser Berührungsreiz ist für eine positive Entwicklung sowie die tägliche Ernährung und Pflege des Babys gleichermaßen entscheidend. Die Babymassage verbessert die Eltern-Kind-Kommunikation, der Bindungsprozess wird unterstützt und das Körper –sowie Selbstbewusstsein des Kindes gefördert. Mit den massierenden Händen soll bildhaft „ein kleiner Samenkorn in die Erde gebracht werden“, der bei regelmäßiger, liebevoller Pflege wächst und gedeiht und sich über die Jahre zu einer widerstandsfähigen Pflanze entwickelt. Familien, die diesen Zauber erfahren haben, massieren auch ihre Klein –und Kindergartenkinder. Bei älteren Schulkindern oder Jugendlichen hilft in schwierigen Phasen des Schweigens der liebevolle Kontakt über die Berührung, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine Mutter nannte die Massage einmal sehr treffend die „Insel der Zweisamkeit“.
Erfahrungsbericht einer Mutter mit dem Kiss-Syndrom
Ich heiße Judith Brandt und bin im Januar 1979 geboren. Ich bin glücklich verheiratet und habe zwei Kinder. Als meine Tochter Samea 2004 auf die Welt kam, erfuhren wir, dass sie ein “Kiss-Kind” ist, bedingt durch eine Verklebung in der Brustwirbelsäule. Durch dieses Problem war sie 8 Wochen lang ein “Schreikind”. Das einzige, was ihr half, war der enge Kontakt zu mir. Ich trug sie also fast den ganzen Tag nur in einem Tuch. Leider hatte ich bei Samea eine Hebamme, die auf die Frage, wie ich meinem Baby noch helfen kann, ob ich sie massieren darf und vor allem wie, antwortete, ich solle mein Kind nicht mit Berührungen überreizen, sie schreit ja eh die ganze Zeit. Ich glaubte ihr natürlich, weil ich unerfahren und unsicher war. Mein Herz sagte mir aber etwas anderes. Dann fiel mir das Buch “Baby-Massage” von Vimala Schneider in die Hände und alles wurde anders. Nach 8 Wochen Hilflosigkeit konnte ich Samea endlich helfen, ihre Verspannungen auf eine wundervolle Art und Weise Schritt für Schritt zu lösen. Samea wurde von Tag zu Tag entspannter und schrie immer weniger. Sie musste zwar noch 2 Jahre in physiotherapeutische Behandlung, aber die Babymassage wurde zu unserem Ritual. 2006 bekam ich meinen Sohn Naledi. Bis heute lieben es beide, von mir massiert zu werden. Durch das Buch „Babymassage“ von Vimala Schneider und durch die tollen Erlebnisse mit meinen Kindern dadurch, entschied ich mich Babymassagekursleiterin des DGBM e.V. zu werden. Ich befinde mich zurzeit im Zertifizierungsprozess und wünsche mir, dass ich es schaffe. Meine Kinder haben mein Leben auf eine wundervolle Art und Weise verändert und ich genieße es, durch sie zu lernen, das Leben neu zu sehen. Ich danke Vimala Schneider und meinen Kindern für alles von ganzem Herzen.
Aus Liebe berührt Von Annett Feustel aus Dresden.
Als dreifach erprobte Babymassage-Mutti weiß ich: Liebe geht durch die Haut. Doch auch wenn hierzulande immer mehr Babys massiert werden, gibt es noch viele Skeptiker, die Babymassage als einen dieser neuen Trends oder gar als Unsinn bezeichnen. Dabei gehört jene Art der Zuwendung schon seit Jahrhunderten in vielen Kulturen, z.B. in Indien, Nepal, bei den Eskimos oder auch in Afrika, von Geburt an dazu. Sie stärkt insbesondere die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind, fördert zudem das seelische wie körperliche Wohlbefinden und gilt als heilsame Zärtlichkeit zur Linderung und Verhütung verschiedener Beschwerden, zum Beispiel bei Blähungen oder Koliken. Natürlich liebkose ich mein Baby instinktiv wie fast alle Eltern, aber durch die bewusste Babymassage erfährt es eine besondere Art der Kommunikation und Sinnesanregung. Mich fasziniert der Gedanke, dass das Baby bereits in meinem Bauch die erste Form von Babymassage erhält: Es wird hin und her gewogen, von Geräuschen stimuliert und von Fruchtwasser und Gebärmutter sanft gestreichelt. Gleich nach der Geburt riecht und spürt das Baby ebenso meine Nähe. Durch Kuscheln und Berührung empfindet es über die Haut meine Zuwendung und Zärtlichkeit, fühlt sich aufgehoben, behütet und geliebt. Die Griffe der Babymassage sind nicht schwierig und gehen mit etwas Übung bald in Fleisch und Blut über. Behutsam massiere ich zuerst Beine und Füßchen, dann Bauch und Brust, Arme, Händchen und Finger, das Gesicht ganz sanft und zum Schluss den Rücken. Oft spüre ich, wie sich meine Hände verselbstständigen, wenn ich mich während der Massage selbst ganz entspannt auf mein Baby einlassen kann. In diesen Momenten der Berührung und Zärtlichkeit fühle ich mich meinem Baby besonders verbunden. Und obwohl ich beim Massieren kaum Worte benutze, bringen meine Hände zum Ausdruck, was ich gerade fühle: „Ich hab dich so lieb!“. Meine beiden ersten massierten Babys sind inzwischen sieben- und vierjährige liebe, wilde Jungs, die sich aber nach wie vor gerne mal bei einer kleinen Wohlfühlmassage entspannen. Und auch mit meinem sechs Monate alten, ebenso schmusebedürftigen Mädchen, kann ich beim Massieren so richtig "Fühlung" aufnehmen. Demnächst werde ich eine Fortbildung zur Babymassage-Kursleiterin bei der Deutschen Gesellschaft für Baby- und Kindermassage e.V. machen, damit ich meine positiven Erfahrungen an andere Eltern fachgerecht weitergeben kann. Ich hoffe, dass immer mehr Eltern das Massieren ihrer Babys als Möglichkeit nutzen, sich bewusst Zeit füreinander zu nehmen und ihren Babys aber auch sich selbst mit diesen sanften Berührungen viel Gutes tun.
